Previous    Next

Mein schlimmstes Erlebnis folgt nach der Rückreise.

Das Flugzeug landet am Stuttgarter Flughafen. Es gibt zögerlichen Beifall für den Piloten, erleichtertes Lachen. Es hatte nämlich ein paar Turbulenzen da oben und manch eine(r) hat sich ein bisschen erschreckt. Dann folgt auf die bekannten Durchsagen, dass man angeschnallt bleiben solle, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition erreicht habe, eine weitere: Halten Sie Ihre Ausweispapiere bereit. Ich bin verdattert, vielleicht verärgert, zu müde, um das genau sagen zu können. Ich tippe in WhatsApp, dass ich vielleicht doch etwas mehr Zeit brauchen werde, bis ich aus dem Flughafen hinaus komme... packe den Ausweis wieder aus und steige mit ihm in der Hand in den Bus, der uns zum Flughafengebäude bringt.

Dort dann zwei lange Schlangen, unzufriedene Gesichter, viele sind ebenso überrumpelt wie ich.

Dabei - so erfahre ich später - gibt's diese Kontrollen bereits seit drei Monaten.

"Spricht hier jemand Griechisch und Deutsch?", zerreißt die Stimme eine der Polizeibeamtinnen, die an einem von vier Schaltern sitzt, die wartende Anspannung. Unfreundlich, finde ich. Und zunächst meldet sich auch niemand. Sie wiederholt ihre Frage, noch lauter als zuvor. Zögerlich melden sich zwei: Eine blonde Frau aus der Mitte und ein zierlicher Mann weiter vorn aus der Reihe der Wartenden. Es beginnt eine Befragung, die nicht nur die Beteiligten irritiert. Ich werde hellhörig. "Wie lange möchten Sie bleiben?" "Wo gehen Sie hin?" "Was machen Sie hier?" ... Der Befragte ist griechischer Staatsbürger, kann sich ausweisen und offensichtlich hält die Originalität seines Ausweises auch der mehrfachen Überprüfung stand. Was also sollen diese Fragen?

Ich bin müde, fühle mich gerädert von der schlaflosen Nacht und will eigentlich nur raus aus dem Flughafengebäude. Auch wirkt die Polizistin auf mich bereits überaus angespannt und gereizt und ich möchte nicht eskalierend wirken.

Ein schlechtes Gewissen habe ich aber doch, dass ich mich selbst mit so laschen Ausreden aus der Verantwortung stehle, hier Zivilcourage zu beweisen... Es folgt eine Befragung auf die Nächste. Das Schema? Immer gleich. Selbst, als ein Herr sehr gut Deutsch spricht, wird das nicht etwa zu seinem Vorteil ausgelegt. "Wieso sprechen Sie denn so gut Deutsch, wenn Sie hier nur zu Besuch sind?", heißt es da. Mein Ausweis? Zum ersten Mal wird tatsächlich auch dieser genauer inspiziert und ich soll sagen, wieso ich 2015 einen neuen beantragt hatte...

Ein wenig bin ich über diese Art der Gleichbehandlung beruhigt. Doch das Bauchweh bleibt: DAS ist nicht das Deutschland, in dem ich leben mag. Das ist nicht EU. Das ist nicht Schengen. Das ist keine Freiheit.

Featured essays

Anfang und Ende.

#triggerwarnung #sternenkind #todIch schaue auf die dunkel unterlaufenen Fingernägel. Die kleinen Hände. Die bläulich gefärbte Haut. Für einen Moment muss ich die Tränen zurückhalten. Ich schaue wieder und wieder hin, fotografiere die ersten… more

Es gibt Grenzen.

Mein schlimmstes Erlebnis folgt nach der Rückreise. Dabei - so erfahre ich später - gibt's diese Kontrollen bereits seit drei Monaten. "Spricht hier jemand Griechisch und Deutsch?", zerreißt die Stimme eine der Polizeibeamtinnen, die an einem von vier… more

...und die Toten.

Auf meiner Reise auf die Insel Kos entsteht da diese Idee: Ich möchte wissen, wo die begraben werden, die nicht zu den Glücklichen gehören, die hier weinend, erleichtert, den Boden küssend (...) ankommen. more

An der Außengrenze Europas, Januar 2016.

Aus meinem Kostagebuch vom ersten Besuch im Januar 2016. Unterwegs mit Flying Help. more

not for sale.

„Dem Kinderhilfswerk zufolge wurden 2009 weltweit rund 220 Millionen Kinder zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen.“, schreibt Fabian Goldmann auf der Seite des Gunda Werner Instituts. more

Mensch. Mama!

Wer hat das angefangen? Wer hat Schönheitsideale für Schwangere begründet? more